Ungehört oder unerhört – Frauen als Speakerinnen

Ungehört oder unerhört – Frauen als Speakerinnen

Rein männlich besetzte Diskussionsrunden, wer kennt das nicht. Es ist ja nicht so, dass Frauen nicht zu sagen haben, aber sie werden oft nicht gefragt. Klar, sind die Top-Positionen in vielen Fällen mit Männern besetzt und die Veranstalter wollen die Top-Positionen auf ihrer Bühne haben. Bringt das immer die Qualität, die man sich für ein Top-Panel wünscht? Definitiv nicht. Tolle Namen sind oft richtige Schlafmützen. Ich habe das auf vielen kleinen und großen, nationalen  und internationalen Konferenz erlebt.

Erst letztens auf einer Veranstaltung von Tony Robbins, den ich sehr schätze, in London habe ich mit Erstaunen festgestellt, dass er in seinem Team von »Success Ressources« von 55 Personen lediglich zwei (!) Frauen hat, obwohl er sich auf der Veranstaltung selbst noch für die Anerkennung des Werts der weiblichen Beitrage in der (Wirtschaft-) Gesellschaft ausgesprochen hat. (Siehe Foto)

Natürlich ist es eine Herausforderung an die Organisatoren weibliche Sprecher zu gewinnen. Nicht nur, weil diese seltener die Titel tragen und in den obersten Hierarchieebenen zuhause sind, wo es einfach wäre nach ihnen zu suchen ist. Die Organisationen genießen ggf. auch nicht den Ruf oder haben eine weniger schillernden Reputation, als die, denen meist Männer vorstehen. Und dann kommt die Komponente hinzu, dass Männer sich (etwas pauschalisiert) gern in den Vordergrund stellen, sich das Rampenlicht suchen und gern posieren. Wohingegen Frauen ja gern (ebenso pauschalisiert) ihr Licht unter den Scheffel stellen, sich nicht als DIE Expertin positionieren und eher an ihren Fähigkeiten und ihrem Status zweifeln.

Zurückhaltung bekommt selten einen Bühne

Ein paar hilfreiche Tipps dazu gibt es im Artikel der Zeit Online die auch den etwas satirischen Blog All Male Panels zitiert, der mit die rein männlich besetzten Diskussion- und Vortragsrunden dokumentiert – und mit einem David Hasselhoff alias »Knight Rider« parodiert. Für die, die nach weiblichen Sprecherinnen suchen ist vielleicht der Beitrag von Ute Blinder auf Business Ladys ein Tipp und die ganz bewusste Recherche in der zweiten Reihe. Außerdem gibt es mittlerweile einige Organisationen, die rein oder vornehmlich auf Frauen als Rednerinnen (neudeutsch Speakerinnen) vermitteln, wie die Women Speaker Foundation oder die Sprechrinnen Liste.

Ich glaube nicht, dass es so etwas wie eine Quote braucht, aber es ist schade, dass gerade dort, wo es darum geht, die Vielfalt eines Themas zu beleuchten, eine wesentliche Komponente ausgelassen wird – die weibliche. Die Gründe hierfür sind leider meistens der Triumph von Statusdenken vor spannenden Inhalten und einen leichte Tendenz zu Bequemlichkeit.

Autoreninfos:

Jan Schleifer entschlüsselt die Codes der Kommunikation, der Denk- und Verhaltensmuster von Männern – besonders für Frauen, die in Führung gehen wollen. Aus seiner fast 20-jährigen Praxis als Berater für Kommunikation sowie als Business und Management Coach weiß er, dass Frauen, die erfolgreich sein wollen, sich einen entscheiden Vorteil sichern, sobald sie die Sprach- und Verhaltenscodes der Männer verstehen. In seine Vorträge übersetzt er die Sprache von Männern für Frauen und erklärt auch das »Wieso« hinter den Worten. Denn im Verständnis liegt der Schlüssel des Verstehens und der größtmögliche Hebel für den eigenen Erfolg.

Als Autor von Muttersprache Mann erreicht Jan Schleifer Frauen, die nach einer neuen, einfachen und erfolgreichen Kommunikation und Zusammenarbeit mit Männern suchen.

Bildquellen: 

Yvonnne Schmedemann 

Kai Oberhäuser

Eigenes Bildmaterial

Wie Du aus den nervigen Wiederholungen der Kollegen Nutzen schlägst, auch wenn alles gesagt ist.

Wie Du aus den nervigen Wiederholungen der Kollegen Nutzen schlägst, auch wenn alles gesagt ist.

Du kennst das bestimmt, die Diskussion ist im Gange und immer wenn ein Punkt gemacht wird, kommt einer um die Ecke und wiederholt das Gesagte. Manchmal mit eigenen Worten, manchmal sogar fast als Zitat, nur, dass geben sie selten zu. Wiederholungen rauben Zeit und bringen keinen Mehrwert, glaubst Du. Doch Wiederholungen sind per se nicht schlecht, denn sie untermauern ein Argument, eine Idee oder einen Gedanken. Auch wenn Du Deinen Gedanken noch einmal hörst, heißt das nicht, dass alle anderen im Meeting Deinen Gedanken beim ersten Mal verstanden haben.

Frauen haben oft eine recht pragmatische Herangehensweise, die einige grundlegende männliche Kommunikationsmuster außeracht lassen: Position, besonders in der Hierarchie, zu beziehen und sich selbst sichtbar zu machen.

Klar, trotzdem nervt es ziemlich, wenn die Platte einen Sprung hat.

Was Du über Wiederholungen wissen solltest:

  • Der Unterschied: Handelt es sich um eine Wiederholung oder Diebstahl
  • Worum geht’s: Geht es Dir darum gehört zu werden, Wertschätzung für Deinen Gedanken oder bist Du von dem albernen Gehabe genervt
  • Das Gute: Die Vorteile des nervigen Rituals

Mit der Wiederholung bezieht Dein Kollege eine Position im Meeting. Er schlägt sich ggf. einer argumentativen Seite oder Partei zu und verschafft sich Sichtbarkeit innerhalb des Kollegenkreises. In männlich dominierten Hierarchien, übrigens nicht nur dort, ist es nach wie vor wichtig eine Position zu beziehen. Deutlich zu machen, wofür man – und Frau steht. Kaum jemand wird mittel- bis langfristig Erfolg haben, wenn keine eigene Position bezogen wird. Erst wenn die Kollegen und Vorgesetzten wissen, woran sie bei Dir sind, kann Vertrauen aufgebaut werden und wirkliche Verantwortung abgegeben werden.

Das bedeutet natürlich nicht, dass es nicht auch Unternehmen gibt, die eigenen Position wenig schätzen und Ja-Sager bevorzugen. Auch das ist eine Position.

Wiederholen oder gestohlen

Einer der wesentlichen Unterschiede ist, ob Dein Gedanke, Beitrag oder Deine Idee wiederholt wird, die Referenz zu Dir also eindeutig ist und klar wird, oder ob man schlicht versucht Deinen Gedanken zu klauen. Letzteres bedeutet, dass jemand Deine Idee für seine Idee ausgibt und ungeniert allen anderen glauben machen will, er selbst wäre der Urheber. Wie genau Du mit geistigen Diebstahl umgehen solltest werde ich in einem der nächsten Blogposts beschreiben oder Du schnappst Dir einfach mein Buch Muttersprache Mann (LINK).

Sofern es sich »nur« um eine Wiederholung handelt, die das Meeting zwar nicht wirklich voranbringt aber das von Dir Gesagte unterstützt, kannst Du Dich ganz entspannt zurücklehnen. Denn Dein »Song« wurde gerade von einem anderen Radiosender gespielt, was für die Popularität definitiv nicht schlecht ist.

 

Wiederholungen massieren das Gesagte ins Hirn der anderen

Eine Botschaft muss öfter gehört werden, bis sie ankommt. Auch Dein Kollegen und Vorgesetzten müssen Ideen, Meinungen und Argumente häufiger hören, damit sie sitzen. Ansonsten würden Unternehmen nicht Abermillionen ausgeben, um immer wieder die gleiche Botschaft in unsere Ohren zu flüstern. Zugegeben, manchmal ist es ein ziemliches Geschrei.

Selbst, wenn die Entscheidung bereits gefallen ist, sorgt eine Wiederholung für eine Bestätigung – und Männer mögen Bestätigung ebenso wie Frauen. Auch wenn sie so tun, als ob es nicht so wäre. Außerdem kannst Du die Wiederholung auch als einen Support für betrachten. Sofern es weiterhin Dein bedanke bleibt, der wiederholt wird. Deshalb ist es wichtig zu erkennen, ob es sich um einen Diebstahl handelt oder um eine Wiederholung.

 

Außerdem kommt hinzu, dass sich der »Papagei« im Grunde argumentativ auf Deine Seite schlägt. Und hier hast Du gleich eine gute Gelegenheit einen Punkt zu machen. Bedank Dich für die Unterstützung und freu Dich, dass Herr Ara auch Deiner Meinung ist. Bring das ehrlich zum Ausdruck! Es ist ein Bekenntnis, auch wenn er es noch gar nicht weiß.

Als Anregung: Geh doch einfach mit gutem Beispiel voran und übe Dich darin, immer denjenigen mit Namen zu nennen, den Du selbst zitierst oder wiederholst.

Worum geht es Dir dabei?

Warum nervt Dich die Wiederholung so? Aus meiner Beobachtung gibt es unterschiedliche Gründe, warum es Dich auf die Palme treibt. Einer ist, dass Du das Gefühl hast, Du würdest nicht gehört? Das kann natürlich gut sein. Eine Leserein von Muttersprache Mann, die mich mit Ihrem Feedback auf die Idee für diese Blogpost gebracht hat, berichtete davon, dass in ihrem ehemaligen Unternehmen die Herren Beiträge von Ihr und anderen Kolleginnen schlicht überhört haben.

»Männer Frauenvorschläge in einer Diskussion einfach nicht hören, nicht darauf reagieren und andererseits fünf Minuten später genau den gleichen Vorschlag machen«

Harter Tobak, aber nicht außergewöhnlich. Es gibt Männer und Organisationen, in denen das Rollenbild der Frau derart antiquiert ist, dass ein gleichberechtigter Dialog kaum möglich ist. Hier ist es ohne Support aus höheren Hierarchieebenen für Frauen selten möglich einen Blumentopf zu gewinnen. Um diesen Support zu erlangen Bedarf es einer sehr individuellen Strategie, ein allgemein gültiger Tipp nach dem Motto »Such Dir einen Mentor« hilft wenig weiter.

Mach es einfach. Es hilf meist

Vielleicht fehlt es Dir ja auch schlicht an der Wertschätzung für Deinen Gedanken. Abgreifen ohne Danke zu sagen, auch das kommt häufig vor. Stellt sich die Frage, ist das ein persönliches Problem oder ein systematisches (also die gesamte Organisation betreffend). Im letzten Fall heißt es damit Leben lernen oder weiterziehen. Im ersten Fall könnte ein persönliches Gespräch helfen oder Du optimierst Deine Beiträge dahingehend, dass Du den Nutzen für die Person (also seine Position im Unternehmen) und/oder für das Unternehmen noch stärker herausstellst. Denk dabei immer daran, mach es nicht zu komplex sondern möglichst einfach und für jeden Deppen verständlich ist. Wenn der Nutzen groß ist und Dein Beitrag Deinem Vorgesetzten und dem Unternehmen Vorteile bringt, sollte die Wertschätzung steigen. Wenn nicht, fordere sie ein. Nutze Deine Beiträge für Gehaltsverhandlungen und Feedbackgespräche. Vielen Frauen fällt es schwer, zu zeigen, was sie wert sind. Wenn Dir das auch so geht, versuche die Brücke über »den Wert oder die Werte die Du für das Unternehmen schaffst«.

Es kann natürlich auch einfach sein, dass Dir das albernen Gehabe auf die Nerven geht. In diesem Fall empfehle ich Dir es zu handhaben wie im Zoo. Betrachte das putzige Verhalten, studiere die Muster aber nimm es ebenso wenig persönlich, wie das komische Verhalten der Pinguine.

Dir muss nicht wirklich gefallen, was ich hier schreibe, wenn es Dir trotzdem hilft, würde ich mich riesig freuen. Ebenso wie über Dein Feedback, Deine Anmerkungen und Anregungen. Womit haderst Du in der Kommunikation und Zusammenarbeit mit den männlichen Kollegen?

Und auch für den Fall, dass ich mich Wiederhole: Besorg Dir mein Buch »Muttersprache Mann« (LINK) es hilft.

Autoreninfos:

Jan Schleifer entschlüsselt die Codes der Kommunikation, der Denk- und Verhaltensmuster von Männern – besonders für Frauen, die in Führung gehen wollen. Aus seiner fast 20-jährigen Praxis als Berater für Kommunikation sowie als Business und Management Coach weiß er, dass Frauen, die erfolgreich sein wollen, sich einen entscheiden Vorteil sichern, sobald sie die Sprach- und Verhaltenscodes der Männer verstehen. In seine Vorträge übersetzt er die Sprache von Männern für Frauen und erklärt auch das »Wieso« hinter den Worten. Denn im Verständnis liegt der Schlüssel des Verstehens und der größtmögliche Hebel für den eigenen Erfolg.

Als Autor von Muttersprache Mann erreicht Jan Schleifer Frauen, die nach einer neuen, einfachen und erfolgreichen Kommunikation und Zusammenarbeit mit Männern suchen.

Bildquellen: 

Yvonnne Schmedemann 

Andreas Rønningen

Eigene 

La vie en rose

Lernen von den Nachbarn?

Gerade von ein paar Urlaubstagen aus Frankreich zurück, will von meinen Beobachtungen berichten. Denn mir sind drei Dinge aufgefallen, die deutlich anders sind als bei uns Germanen. Natürlich habe ich es nicht nur bei eigenen Beobachtungen belassen, sondern gleich ein paar Recherchen angestellt. Hier die drei Auffälligkeiten und mögliche Learnings:

  1. Die äußere Erscheinung 
  2. Die Rolle der Frau
  3. Die Chancen der Frau im Job

Auf den ersten Blick kommen die Französinnen ganz selbstbewusst daher. Abseits der Strände, wo das ganz normale Leben stattfand, wirkten die Französinnen, vom Schulmädchen bis zur Großmutter, im Alltag und im Job deutlich rausgeputzter, als die sachlich orientierten Kolleginnen zwischen Nord- und Bodensee. Ist die Französin zwar laut in der Farbpracht ihres Outfits, aber letztlich vielleicht das Schlusslicht im europäischen Gleichberechtigungs-Ranking?

Anscheinend nein.

3 Schlussfolgerungen aus meinen Beobachtungen und den neuesten Untersuchungen:

1) Frauen in Frankreich lassen sich ihre Weiblichkeit nicht nehmen. Im europäischen Vergleich haben die Französischen Frauen die Gleichberechtigung im Berufsleben am weitesten gebracht, ohne sich dabei in ein maskulines Business-Korsett schnüren zu lassen. 

LEARNING: // Erfolgreiche Frauen kombinieren ihre weiblichen Kompetenzen mit den männlich geltenden Eigenschaften, um erfolgreich im Job zu kommunizieren und die eigenen Ziele zu erreichen.

2) Französinnen verbinden Karriere und Familie ganz selbstverständlich. Von den Frauen zwischen 25-49 Jahren sind über 80% berufstätig. Und mehr als die Hälfte von ihnen ist in Vollzeit beschäftigt. Der Konflikt zwischen Familie und Karriere schein in Frankreich einen Schritt weiter in Richtung Lösung, denn Frankreich hat die höchsten Geburtenraten Europas.

LEARNING: // Es scheint einen Alternative zum aktuellen deutschen Kredo Kind oder Karriere zu geben. Planung und wahre Partnerschaft sind die Grundpfeiler, damit der viel diskutierte Spagat gelingen kann.

3) Auch in Frankreich ist nicht alles rosig: Frauen verdienen nur 88 Cent für jeden Euro, den ein Mann bekommt. Aber immerhin neun Cent mehr als die Kolleginnen in Deutschland.

LEARNING: // Es sind halt auch die Rahmenbedingungen, bei denen unsere Nachbarn im Westen eine Nasenlänge voraus sind. Frauen besetzen in Frankreich schon einige der entscheidenden Posten, wenn es um die Gleichstellung im Job geht. Wer die Regeln ändern will, muss auf der Entscheidungs-Ebene mitspielen.

Was meinen Sie? Taugt die französische Herangehensweise zum Vorbild für Deutschland?

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